Störungen in der Identitätsentwicklung als Radikalisierungsursache?

Workshop am 11.05.2018 VON 09:30 BIS 16:30 UHR


Identität und Identitätsentwicklung spielen bei der Entstehung von Radikalisierungstendenzen eine zentrale Rolle, denn gerade junge Menschen in massiven Adoleszenzkrisen sind in höherem Maß gefährdet, sich einer radikalen Gruppe anzuschließen. Wie gut oder schlecht die entwicklungsbedingten Krisen in der Adoleszenz verlaufen, ob junge Menschen in der Lage sind diese erfolgreich zu bewältigen und letztlich eine stabile eigene Identität ausbilden können, hängt maßgeblich von frühen Erfahrungen ab. Negative Beziehungserfahrungen in der Kindheit wie Vernachlässigung, Missbrauch und/oder Gewalt haben meist Einschränkungen in der Selbst- und Beziehungsregulierung zur Folge. Ein junger Mensch, der bspw. früh erfahren hat, dass er nichts wert ist, wird Konflikte und Krisen weniger gut bewältigen können, als jemand mit einem stabilen Selbstwertgefühl. Radikale Gruppierungen machen diesen orientierungslosen, häufig von der sozialen Umwelt frustrierten und mit den Ansprüchen überforderten Jugendlichen ein Gegenangebot ‒ bieten Lösungsstrategien in krisenhaften Phasen an.

 

Mit dem Anschluss an eine radikale Gruppe sind die alltäglichen Probleme zunächst gelöst: Der Junge Mensch wird Teil einer stützenden, wertschätzenden Gemeinschaft, die Struktur, Sinn und Antworten auf alle Lebensfragen bietet. Verhaltensweisen und Ansichten, die einst zu Konflikten und Beziehungsabbrüchen geführt haben, können in radikalen Gruppierungen gelebt werden und verhelfen dort möglicherweise zu noch mehr Anerkennung und Respekt. Um Radikalisierung zu verstehen und entsprechende Angebote zu machen, benötigen wir ein tiefgehendes Verständnis für die Innenwelten dieser jungen Menschen. Ein psychodynamischer Blick auf Identität und Identitätsentwicklung kann dazu beitragen Hinwendungsmotive junger Menschen besser zu verstehen und zu differenzieren.

 

Im Workshop werden wir den folgenden Fragen nachgehen:

 

  • Welche Auswirkungen haben negative frühe Erfahrungen aus psychodynamischer Sicht auf die Identitätsentwicklung?
  • Welche besonderen Konfliktlagen liegen dem zugrunde?
  • Wann kann eine sehr krisenhaft verlaufende Identitätsentwicklung Radikalisierung begünstigen? 

EINGELADENE EXPERT(INN)EN

Prof. Dr. Annette Streeck-Fischer (angefr.)

IPU Berlin

Prof. Dr. Inge Seiffge-Krenke (angefr.)

Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Jessica Arnswald (angefr.)

Asklepios Fachklinikum Tiefenbrunn